Reportage aus der Zeitung «Bon Appétit!»: Pizza, Piadine, Vitello tonnato

08.08.2026

Die Tavolata in Bedano ist so vielfältig wie die Menschen, die daran teilnehmen: Kinder, Erwachsene und ältere Menschen treffen sich im Begegnungszentrum «Al Posticino», um gemeinsam zu kochen und zu essen. Maria Vittoria Burdese vom Verein Insieme per Bedano verrät, was auf den Tisch kommt.

Interview: Valentina Pallucca Forte

Wie gelingt es euch, verschiedene Generationen an einem Tisch zu versammeln?
Maria Vittoria Burdese: Unsere Tavolata war ursprünglich nicht als generationenübergreifendes Angebot gedacht. Zu Beginn planten wir Anlässe für Erwachsene und für Kinder. Dann zeigte sich jedoch schnell, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters ganz selbstverständlich zusammenfinden. Mit der Zeit merkten wir: Wenn die Atmosphäre offen und einladend ist, begegnen sich die Generationen gerne – ganz ohne Zwang.

Wie läuft eine Tavolata ab?
Menschen jeden Alters engagieren sich beim Kochen, Aufräumen oder bei der Betreuung der Kinder während des Essens. Einige ältere Personen nehmen bewusst an den Tavolata mit Kindern teil, weil sie dort Lebendigkeit erleben. Viele von ihnen würden sonst zu Hause allein essen.

Die Bedürfnisse in Einklang zu bringen, ist sicher nicht einfach.
Kinder brauchen Bewegung und Anregung, Erwachsene eher Ruhe und Raum für Gespräche. Deshalb haben wir zwei Bereiche geschaffen: einen Spielbereich für Kinder mit Lego und Gesellschaftsspielen sowie eine Ruhezone, in der Erwachsene lesen oder sich zurückziehen können.

Wie entstehen neue Kontakte?
Die Begegnung entsteht spontan in den verschiedenen Bereichen, in denen gespielt, gelesen oder gekocht wird. Zudem betreibt unser Zentrum die kommunale «Bibliocabina», die sich direkt ausserhalb unseres Zentrums befindet und eine grosse Auswahl an Büchern für Gross und Klein bietet.

Welche Gerichte sind am beliebtesten?
Bei den Kindern sind die Pizza-Tavolata und das gemeinsame Zubereiten eigener Piadine sehr beliebt. Bei den Erwachsenen kam das Vitello tonnato mit Ofenkartoffeln besonders gut an (siehe Rezept).

Worauf seid ihr besonders stolz?
Zu Beginn des letzten Jahres wurde uns dank Pro Senectute eine Person in Assistenz zur Verfügung gestellt, die sich bereit erklärte, für unsere Tavolate zu kochen. Das hat es uns ermöglicht, raffinierte und sehr geschätzte Mahlzeiten anzubieten, und ihr, sich wieder in die Arbeitswelt einzugliedern. Diese Erfahrung hat es vielen Teilnehmenden auch erlaubt, eine Köchin aus nächster Nähe zu beobachten und mit ihr zusammenzuarbeiten sowie neue Rezepte zu lernen – etwas, das in einem gewöhnlichen Restaurant nicht möglich wäre.

Was sind die nächsten Projekte?
Wir arbeiten an einer dritten Form einer abendlichen Tavolata, gedacht für Menschen, die tagsüber wenig Zeit haben: ein anspruchsvolleres geselliges Beisammensein mit sorgfältig zubereiteten Gerichten und einer intimen Atmosphäre. Das Hauptgericht wird direkt von den Teilnehmenden vorgeschlagen und gekocht – jeder und jede kann mit einer Spezialität oder einer Flasche Wein beitragen. Ausserdem prüfen wir die Möglichkeit, einmal im Monat eine Tavolata für die Mittagessen am Mittwoch zu organisieren, wenn die Kinder nur am Vormittag die Schule besuchen. Auf diese Weise könnte das Treffen auch auf Kindergartenkinder ausgeweitet werden, die in Begleitung ihrer Eltern oder Grosseltern teilnehmen.

Was braucht es für eine gute Tavolata?
Es braucht nicht viel: ein paar Tische, eine Küche und Offenheit. So haben wir begonnen. Die Ideen entwickeln sich nach und nach, indem man sich einbringt.