Tavolata in der Romandie: «Was nie fehlt, ist die gute Laune»
14.07.2026
Der engagierte Regionale Tavolata-Vertreter* Alfred Sauteur aus Freiburg kennt alle Tischgemeinschaften in den Kantonen Freiburg. In der Suisse romande funktionieren diese «Tables d’hôtes» so: Ein Gastgeber oder eine Gastgeberin kocht bei sich zuhause, sechs bis 12 Gäste können sich an den Tisch setzen.
Interview: Elodie Follonier
Alfred, wie erleben Sie Tavolata in der Romandie?
Sehr positiv. Als ich vor sieben Jahren begann, gab es in der Romandie 15 Tische, heute sind es allein im Kanton Freiburg 40! Das zeigt: Die Idee funktioniert sehr gut. Aber die Tables d’hôtes dürften noch bekannter werden, vor allem bei Männern.
Wie engagieren Sie sich für Tavolata?
Ich vernetze Menschen, motiviere neue Gastgeberinnen und Gastgeber und besuche so viele Tables d’hôtes wie möglich – auch wenn ich nicht alle 40 schaffe. Ich rufe Geburtstagskinder an und halte so den Kontakt. Pro Jahr entstehen so fünf bis sieben neue Tischrunden.
Wie erleben Sie die Gäste?
Rund 80 Prozent sind Frauen, viele über 80. Die Stimmung ist meist fröhlich – auch wenn mal über Gelenkschmerzen gesprochen wird. Was nie fehlt, ist die gute Laune.
Was macht eine Tavolata langfristig erfolgreich?
Wenn das Essen gut ist und die Gäste herzlich empfangen werden, kommen sie gerne wieder. Ein Table d’hôtes ist einfach: Jemand kocht zu Hause, die Gäste bezahlen 15 Franken, weitere 5 Franken übernimmt Pro Senectute.
Was sind typische Lieblingsgerichte aus der Region?
Eintöpfe, Rinderzunge oder Kutteln und im Kanton Freiburg auch der Bauernschinken – Gerichte, die man allein kaum kocht.
Sie werden «le loup blanc» genannt – warum?
Weil ich überall unterwegs bin, unkompliziert Kontakte pflege, Freude habe und die Leute mich kennen. Ich bin 79, pensioniert – und sehr aktiv.
Anmerkung der Redaktion: «Connu comme le loup blanc» ist eine französische Redewendung. Sie bezeichnet eine Person liebevoll als weit und breit bekannt und gut vernetzt.
*Regionale Tavolata-Vertreter:innen engagieren sich im Netzwerk Tavolata, indem sie Gastessen anbieten, interessierten Menschen eine Platz in Tischgemeinschaften vermitteln oder an Informationsveranstaltungen aus dem Tavolata-Leben berichten.
Tavolata in der Suisse romande
Einige Tischgemeinschaften in der Westschweiz sind von Privatpersonen selbst organisiert. Die Mehrheit der Tavolata wird institutionell von Pro Senectute Arc Jurassien und Pro Senectute Freiburg angeboten. Bei den Tavolata, die der Verein Tavolata mit Pro Senectute organisiert, verpflichtet sich eine Freiwillige oder ein Freiwilliger, einmal pro Monat eine Mahlzeit zu kochen.
- Die Angebote und Daten werden auf www.fr.prosenectute.ch und www.arcjurassien.prosenectute.ch publiziert.
- Interessierte Personen melden sich einige Tage vor dem Treffen an und bezahlen der Gastgeberin oder dem Gastgeber 15 bis 17 Franken an die Unkosten. Pro Senectute steuert zusätzlich 5 Franken pro Person zur Deckung der Kosten bei.
Im Kanton Freiburg gibt es auch «Tables au bistrot» (Stammtische im Bistrot). Viele Restaurants laden ältere Menschen ein, an festen Terminen für 20 Franken zusammen zu essen.
Kontakt für Fragen
Petra Forny Pannatier: romandie@tavolata.ch